Ehering: Welche Hand? Rechts oder links – das gilt wirklich
In Deutschland wird der Ehering überwiegend am Ringfinger der rechten Hand getragen, in der Schweiz dagegen links. Vorgeschrieben ist keine der beiden Hände: Das Gesetz kennt für die Eheschließung überhaupt keinen Ring, und auch die katholische und die evangelische Kirche machen keine Vorgabe. Die Wahl liegt bei Ihnen.
- Deutschland: Ehering rechts, Verlobungsring meist links
- Österreich: Ehering überwiegend rechts (nicht erhoben), Verlobungsring meist links
- Schweiz: Ehering links, Verlobungsring links
- USA und Großbritannien: Ehering links, Verlobungsring links
- Griechenland: Ehering Quellen widersprüchlich – orthodoxer Ritus: rechts, Verlobungsring keine Angabe
- Spanien: Ehering Quellen widersprüchlich, Verlobungsring keine Angabe
- Frankreich: Ehering Quellen widersprüchlich, Verlobungsring meist links
- Schweden und Finnland: Ehering Quellen widersprüchlich, Verlobungsring keine Angabe
- Russland, Serbien, Bulgarien, Ukraine: Ehering rechts (orthodoxer Ritus), Verlobungsring keine Angabe
Hinweis: Belastbar belegt sind nur Deutschland und die Schweiz. Alle übrigen Angaben geben verbreitete Gebräuche wieder – erhobene Daten zur Ringhand existieren dafür nicht. Wo sich Quellen widersprechen, benennen wir das offen.
Steht Ihre Hochzeit an und Sie fragen sich, an welche Hand der Ehering gehört? Der Ehering ist der Ring, den Paare nach der Trauung dauerhaft tragen. Die Frage nach der Ringhand stellen uns Paare in der Werkstatt fast so oft wie die nach dem Material. Die kurze Antwort: Tradition existiert, Pflicht nicht. In diesem Ratgeber erfahren Sie, was rechtlich und kirchlich gilt, welche Legenden sich nicht halten lassen und woran Sie Ihre Entscheidung festmachen.
Das Wichtigste zum Ehering in Kürze
- Keine Vorschrift: Rechtlich geschlossen wird die Ehe allein durch das Jawort – ohne Ring, ohne Hand.
- Deutschland rechts, Schweiz links: Belastbar belegt sind nur diese beiden Länder, alles Weitere ist Brauch.
- Vena amoris ist eine Legende: Die anatomische Nomenklatur kennt kein solches Gefäß zum Ringfinger.
- Nur die orthodoxe Kirche schreibt rechts vor: Katholische und evangelische Trauung machen keine Handvorgabe.

Ehering rechts oder links: Welche Hand ist in Deutschland üblich?
In Deutschland wird der Ehering nach der Trauung überwiegend am rechten Ringfinger getragen. katholisch.de, das Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland, beschreibt es genau so. Eine Pflicht folgt daraus nicht.
Rechtlich geschlossen wird die Ehe allein durch das Ja vor dem Standesbeamten. Von einem Ring ist im Gesetz nirgends die Rede, und im vorgeschriebenen Ablauf der Trauung kommt der Ringwechsel gar nicht vor.
Auch die Standesämter formulieren den Ringtausch als Angebot. Die Stadt Hamburg schreibt zum Trauungsablauf: „Im Anschluss an das Jawort können Sie Ihre Ringe tauschen.“ Der Ringwechsel ist ein freiwilliger Teil der Zeremonie, nicht ihr rechtlicher Kern.
Welche Hand Sie beim Ringwechsel im Standesamt wählen, bleibt Ihnen überlassen – wichtiger ist, dass die Trauringe aus unserer Oldenburger Werkstatt an dieser Hand dauerhaft gut sitzen.
Warum trägt man den Ehering am Ringfinger?
Der Ringfinger geht auf eine antike Vorstellung zurück, nicht auf die Anatomie. Der Überlieferung nach soll von diesem Finger eine direkte Verbindung zum Herzen führen. Belegen lässt sich das nicht.
Die Terminologia Anatomica, das internationale Standardverzeichnis anatomischer Fachbegriffe, führt für die Hand nur Sammelbegriffe: Venae digitales palmares, Arcus venosus palmaris und Rete venosum dorsale manus. Ein eigenes Gefäß für den Ringfinger kommt darin nicht vor; alle Finger hängen gleichwertig an den Hohlhandbögen. Der Begriff „vena amoris“ existiert in der anatomischen Nomenklatur nicht.
Aufschlussreich ist der Wortlaut der antiken Quellen. Aulus Gellius nennt in den Noctes Atticae (X,10) einen „nervum quendam tenuissimum“, also einen feinen Nerv – und zwar an der linken Hand. Macrobius beschreibt in den Saturnalia (VII,13) ebenfalls einen nervus, der vom Herzen ausgehe. Von einer vena, einer Vene, ist an keiner der beiden Stellen die Rede. Die „Liebesader“ ist eine spätere Zuschreibung.
Der römische Ring war ohnehin kein Liebessymbol: Ein Goldring des 2. bis 3. Jahrhunderts im Museum August Kestner in Hannover (Inv. 1954.119) gilt als Pfand des Bräutigams für die Erfüllung des Ehevertrages. Andere Ringe folgen eigenen Regeln – zur Bedeutung des Siegelrings und seiner Tragweise haben wir einen eigenen Ratgeber.
Warum ist der Ehering an der rechten Hand? Was sich wirklich belegen lässt
Warum ausgerechnet Deutschland rechts trägt, lässt sich nicht belastbar erklären. Für die Sendung „Karambolage“ fragte ARTE bei vier Stellen nach: beim Standesamt Münster, beim Erzbistum Köln, beim evangelischen Stadtkirchenverband Köln und beim Volkskundeinstitut Freiburg. Keine konnte die Frage beantworten. Wir halten diese Lücke offen, statt sie mit einer hübschen Geschichte zu füllen.
Widerlegen lässt sich dagegen eine verbreitete Erzählung: dass Protestanten den Ring aus Protest gegen Rom nach rechts gewechselt hätten. Eine Studie des Meertens Instituut (KNAW) zeigt das Gegenteil. Vor dem 15. Jahrhundert war die rechte Hand die katholische Praxis; erst im 15. und 16. Jahrhundert wechselte der Ritus nach links. Das Rituale Romanum von 1873 schreibt ausdrücklich den Ringfinger „sinistrae manus“ vor, also der linken Hand. Einige Bistümer machten den Wechsel nie mit; die Protestanten behielten den älteren Brauch bei. Beharrung also, kein Protest.
„von einer ungebrochenen Tradition ist sicher keine Rede.“
– Volkskundig Bulletin, Meertens Instituut (KNAW), 1975
Auch in England trugen Katholiken den Ehering nach der Catholic Encyclopedia von 1911 bis Mitte des 18. Jahrhunderts rechts. Die einzige echte Datenerhebung zur Ringhand stammt aus den Niederlanden: ein Fragebogen von 1965 mit 799 Antworten. Vergleichbares fehlt für Deutschland.
Wie wird der Ehering international getragen?
International gibt es kein einheitliches Bild. Bei fünf Ländern widersprechen sich die gängigen Ratgeber offen: Für Frankreich, Schweden, Finnland, Griechenland und Spanien finden Sie beide Angaben. Wir lösen das nicht über abgeschriebene Länderlisten, sondern über den Faktor, der sich belegen lässt: die Konfession.
Wo wird der Ehering rechts getragen?
Rechts getragen wird der Ehering vor allem dort, wo die orthodoxe Kirche prägend ist: in Russland, Serbien, Bulgarien und der Ukraine, nach orthodoxem Ritus auch in Griechenland. In Deutschland ist die rechte Hand ebenfalls üblich, in Österreich überwiegend – erhoben ist das für Österreich allerdings nicht. Links wird er in der Schweiz getragen; für die USA und Großbritannien gilt die linke Hand als verbreiteter Brauch, erhoben ist auch das nicht.
Was katholische, evangelische und orthodoxe Kirche zum Ehering sagen
Nur eine Konfession macht eine echte Vorgabe zur Hand. Der Trauungsritus der orthodoxen Kirche bestimmt, dass der Priester die Ringe an die rechte Hand des Paares steckt.
Die katholische Kirche macht keine Vorgabe. Im kirchlichen Eherecht kommt das Wort Ring nicht vor; maßgeblich ist allein das Jawort der Eheleute. Der Trauungsritus nennt die rechte Hand nur beim Handschluss („Reichen Sie nun einander die rechte Hand“), nicht bei der Ringübergabe. Wer daraus eine Regel für den Ehering ableitet, verwechselt den Handschluss mit dem Ringwechsel. Das Liturgische Institut der deutschsprachigen Schweiz und die EKD nennen den Ringwechsel ohne Hand- oder Fingerangabe.
Welche Hand gilt im Islam für den Ehering?
Für den Islam und das Judentum ließ sich in unserer Recherche keine liturgische Vorgabe zur Ringhand finden. Weil wir keine belastbare Quelle haben, machen wir hier keine Aussage über Länder oder Rechtsschulen. Eine religiöse Handvorschrift für den Ehering kennen wir nur aus dem orthodoxen Ritus.
Ehering und Verlobungsring: Welche Hand für welchen Ring?
Für die Kombination beider Ringe gibt es keine Regel, sondern nur verbreitete Gewohnheiten. Üblich ist in Deutschland, den Verlobungsring vor der Hochzeit links zu tragen und ihn danach gemeinsam mit dem Ehering nach rechts zu wechseln. Erhoben ist auch das nicht.
Trägt man Ehering und Verlobungsring an derselben Hand?
Viele Paare tragen beide Ringe nach der Hochzeit an derselben Hand, meist übereinander am rechten Ringfinger. Ebenso verbreitet ist die Aufteilung auf beide Hände. Praktisch spricht einiges für getrennte Hände, wenn der Verlobungsring einen erhabenen Stein trägt: Zwei Ringe übereinander reiben aneinander und verlieren schneller an Kontur.
An welcher Hand wird der Verlobungsring getragen?
Verbreitet ist in Deutschland die linke Hand. Viele Paare tragen den Verlobungsring links und wechseln zur Hochzeit auf die rechte Hand; wer beide Ringe aufeinander abstimmen möchte, findet bei uns maßgefertigte Verlobungsringe.
Wenn der Ehering an der Hand nicht getragen werden kann
Nicht jeder kann den Ehering dauerhaft an der Hand tragen. In Pflege, Gastronomie und Lebensmittelverarbeitung gelten vielerorts Hygienevorgaben, die Schmuck an den Händen ausschließen. Wer an Maschinen arbeitet, legt den Ring aus Sicherheitsgründen ab.
Dass Verheiratete gar keinen Ehering tragen, ist verbreiteter als gedacht. Nach der Allensbach-Umfrage von 2007 (n = 1.127) trugen 67 Prozent der Verheirateten überhaupt einen Ehering. Diese Zahl sagt nichts über rechts oder links aus: Sie betrifft das Ob, nicht die Hand. Eine Statistik zur Ringhand existiert für Deutschland bis heute nicht.
Auch die Haut entscheidet mit. Schwellungen an warmen Tagen, Ekzeme oder eine Gewichtsveränderung machen aus einem passenden Ring einen zu engen. Eine Kette am Hals ist dann eine übliche Lösung – getragen wird der Ehering damit trotzdem.
Ringgröße beim Ehering und die Wahl der Hand
Die beiden Hände unterscheiden sich häufiger, als Paare erwarten. Wir messen in der Werkstatt grundsätzlich an beiden Händen; meist ist die Arbeitshand die kräftigere. Weil sich die Ringgröße zwischen rechter und linker Hand oft um eine halbe Größe unterscheidet, messen Sie immer an der Hand, an der Sie den Ehering später tragen – unsere Anleitung zur Ringgröße zeigt vier Methoden dafür. Entscheiden Sie die Handfrage deshalb vor der Anprobe, nicht danach. Am besten ist es, wenn Sie die Ringgröße bei dem Goldschmied Ihres Vertrauens messen lassen.
Wann tragen Sie den Ehering rechts, wann links?
Entscheiden Sie nach Alltag und Herkunft, nicht nach einer vermeintlichen Regel. Wer viel mit der dominanten Hand arbeitet, setzt dem Ring dort stärker zu. Linkshänder tragen den Ehering deshalb oft rechts – und liegen damit in Deutschland traditionskonform.
In Online-Foren beobachten Nutzer, dass jüngere Paare häufiger links tragen – belastbare Zahlen gibt es dazu nicht.
Wir beraten, wir belehren nicht. Es gibt keine falsche Hand. In der Praxis begegnet uns oft die Verunsicherung von Kunden, denen im Handel erklärt wurde, sie trügen ihren Ring falsch herum. Niemand muss sich dafür rechtfertigen.
Ehering nach Trauerfall oder Scheidung: rechts, links oder umgearbeitet
Auch hier gilt keine Regel. Manche Verwitwete wechseln den eigenen Ring auf die andere Hand, andere tragen den Ring des Partners dazu oder lassen beide Ringe zusammenlöten. Nach einer Trennung ist Umarbeiten eine Alternative. Statt den Ring wegzulegen, lassen sich zwei Trauringe zusammenfügen oder umarbeiten – wie behutsam wir mit gealtertem Edelmetall umgehen, zeigen Restaurationen aus unserer Werkstatt.
Fazit: Beim Ehering entscheidet die Tradition, nicht das Gesetz
Rechts oder links: Beim Ehering entscheidet die Tradition, nicht das Gesetz. In Deutschland ist die rechte Hand üblich, in der Schweiz die linke; im englischsprachigen Raum gilt die linke Hand ebenfalls als verbreitet. Vorgeschrieben ist keine der beiden Hände, weder rechtlich noch in der katholischen oder evangelischen Trauung. Wählen Sie die Hand, an der der Ring im Alltag am besten sitzt. Haben Sie sich entschieden, zeigen wir Ihnen in Oldenburg gern handgefertigte Trauringe, die zu beiden Händen und zu Ihrem Alltag passen.
Häufige Fragen zum Ehering und zur Handwahl
Ist es erlaubt, den Ehering links zu tragen?
Ja, uneingeschränkt. Weder ein Gesetz noch die katholische oder evangelische Kirche schreibt eine Hand vor. Wer links trägt, folgt dem in der Schweiz üblichen Brauch.
Was bedeutet es, wenn jemand den Ehering links trägt?
Nichts Bestimmtes. Eine belegte Bedeutung der linken Hand gibt es in Deutschland nicht – wir haben dazu keine belastbare Quelle gefunden. Häufige Gründe sind Herkunft, Beruf oder Gewohnheit.
An welcher Hand trägt man den Ehering nach einer Scheidung?
Es gibt keine Regel. Manche legen den Ring ab, manche tragen ihn an der anderen Hand weiter, manche lassen ihn umarbeiten – aus dem vorhandenen Edelmetall entsteht dann ein neues Schmuckstück.
Wer zahlt die Trauringe?
Das ist nicht geregelt; verbreitet ist heute, dass Paare die Kosten teilen. Womit Sie rechnen sollten, erklärt die Preisstruktur unserer Trauringe. Eine rechtliche Vorgabe fehlt.
Was tun, wenn der Ehering im Beruf nicht getragen werden darf?
Tragen Sie ihn an einer Kette oder legen Sie ihn für die Arbeitszeit ab. In Pflege, Gastronomie und Lebensmittelverarbeitung schließen Hygienevorgaben vielerorts Schmuck an den Händen aus. Ein fester Aufbewahrungsort verhindert Verluste.
Darf man den Ehering an einer Kette tragen?
Ja. Weder rechtlich noch kirchlich gibt es eine Vorgabe, dass der Ehering an der Hand getragen werden muss. Achten Sie auf eine stabile Kette und einen sicheren Verschluss.
Welcher Finger kommt für den Ehering infrage, wenn der Ringfinger nicht geht?
Jeder Finger, an dem der Ehering gut sitzt. Die Terminologia Anatomica zeichnet keinen Finger aus; alle Finger sind gleichwertig an die Hohlhandbögen angeschlossen. Verbreitet ist der Mittelfinger.
